23.03.20

Wir sind für Euch da!

Wir haben weiterhin geöffnet. Als Grundversorger für Fischfutter, werden wir auch zukünftig geöffnet bleiben.
Ob es Einschränkungen geben wird, kann ich zu diesem Zeitpunkt nicht sagen. Aber wir sind auf jeden Fall da und sie können auf jeden Fall einkaufen.
Es ist wohl leider nicht sehr wahrscheinlich, dass die aktuelle Corona Krise in wenigen Wochen ausgestanden ist.
Deshalb haben wir uns etwas ausgedacht, was zum einem uns helfen kann, den wirtschaftlichen Schaden zu begrenzen, aber auch für Euch, risikolos, in gewohnter Qualität, bei uns einzukaufen. Heute, morgen und auch nach der Krise.
Unser Lager ist prall gefüllt. Und auch unsere Großhändler stehen „Gewehr bei Fuss“ Alles, was wir auf Lager haben oder besorgen können, kann ab sofort telefonisch oder vorzugsweise per Mail bestellt werden. Dazu zählen die Produkte von EHEIM, JBL, Superfish, Juwel und natürlich Aqua-Liquids und Reef booster. Natürlich versenden wir auch Lebendfutter.
Wir gewähren auf alles im Versand einen Rabatt von 15%.
Versandkostenfreie Lieferung bereits ab 20€, Darunter günstige 4,50€ Versandkosten
Kein Versand von Sperrgut (alles über 100cm, Aquarien, Kombinationen), Schwergut (Kies, Steine) und Frostfutter.
Ihr geht kein Risiko ein aber ihr unterstützt einen steuerzahlenden, lokalen Händler und keinen milliardenschweren Großkonzern.
Lieferservice im Umkreis von 10 Kilometern um Neu Wulmstorf und 15km um Apensen ab 20€ Mindestbestellwert. Bestellen, per Paypal oder Banküberweisung bezahlen und wir stellen die Sachen vor Ihre Tür. Auch z.B. Osmosewasser. 15 Liter Osmosewasser inkl. wiederverwendbarem Kanister für 9,95€ oder frisches Meerwasser für 15,95€
Lebendtiere per Lebendtierversand (GO) für nur 35,-€ pro Box (Kein Rabatt auf Tiere)
„After Corona“ Gutscheine von Zierfische Gottschalk im Wert von 60,-€, aber nur 50€ zu bezahlen. Einlösbar nach der Krise, sobald die Beschränkungen aufgehoben sind.
Einfach Email mit Euren Wünschen an: Info@zierfische-gottschalk.de. Wir werden uns melden.
Alternativ telefonisch unter: 040 / 700 120 77. Da wir jedoch auch Tiere versorgen müssen und mit reduziertem Personal den Betrieb aufrecht erhalten, ist die Email der bessere Kontaktweg.
Euer Frank Gottschalk und Team

17.03.20

Geöffnet!

Liebe Kunden, 
solange wir nicht gezwungen werden zu schließen, werden wir auch weiterhin normal geöffnet haben!

Öffnungszeiten:
Mo. - Mi.: 10.00 - 18.30 Uhr
Do. + Fr.: 10.00 - 19.00 Uhr
Sa.: 9.30 - 14.00 Uhr

14.03.20

Trotz Corona geöffnet wie gewohnt!

Deutschland ist fest in der Hand des Corona Virus. Wir verfolgen die Entwicklungen sehr genau und haben einige Vorsichtsmaßnahmen getroffen.

In der Kundentoilette ist z.B. Desinfektionsmittel, die Textilhandtücher dort wurden gegen Wegwerf - Papierhandtücher getauscht, Türgriffe, Armaturen und Handläufe werden mehrmals täglich gereinigt.

Unsere Mitarbeiter sind in den aktuellen Vorsichtsmaßnahmen (ausreichend Abstand halten, kein Händeschütteln, Einhalten von Husten und Niesregeln) geschult worden.

Sollten Sie dennoch lieber auf einen Besuch in unserem Hause verzichten oder, weil Sie sich in Quarantäne befinden, verzichten müssen, so können Sie ganz problemlos per Mail (info@zierfische-gottschalk.de) oder telefonisch (040 / 700 120 77, während der Öffnungszeiten), Ihre Bestellung aufgeben. 
Bereits ab 20,-€ Bestellwert verschicken wir, solange die Krise anhält, versandkostenfrei.

Unser Sortiment ist umfangreich wie gewohnt. Bislang haben wir bzw. unsere Lieferanten keinerlei Lieferengpässe.

Ob wir in Kürze auch einen Tierversand mit einem entsprechend zertifizierten Paketdienst anbieten können, wird sich im Laufe der nächsten Woche herausstellen.

Eine Bitte hätte ich noch:
Sollten Sie aus einem der Risikogebiete kommen oder aktuell grippeähnliche Beschwerden haben, nutzen Sie bitte unseren Bestell & Versandservice. Es entstehen Ihnen keine Nachteile daraus. Sie schützen so ihre Mitmenschen und tragen u.U. so zu einer Verlangsamung der Ausbreitung bei.

Ich hoffe, dass die nächsten Wochen keine weiteren Einschränkungen bringen und dass wir alle diese Pandemie gesund überstehen.

 

Herzlichst, Ihr Frank Gottschalk und Team

10.03.20

Sauerstoff - ein knappes Lebenselixier im Aquarium

Sauerstoff ist mit Sicherheit ein absolut lebensnotwendiges Element. Darüber sind sich uneingeschränkt alle einig. Sauerstoff wird von den Fischen benötigt, in großen Mengen von den im Aquarium lebenden Mikroorganismen und den Bakterien aber auch des nachts von den Pflanzen, die ja bekanntlich tagsüber bei, optimalen Bedingungen, reichlich Sauerstoff produzieren.


Es gibt immer wieder Diskussionen, ob nun eher ein hoher Sauerstoffgehalt (nahe der Sättigung, mind. ca. 6 mg/l) oder ein niedriger (ca. 2-3 mg/l) für das Minibiotop Aquarium von Vorteil ist. Die Befürworter eines niedrigen Sauerstoffgehaltes argumentieren, dass hohe Gehalte den Pflanzenwuchs beeinträchtigen würden.

Auf der Strecke bleiben dabei die Fische !

Ohne überhaupt nun auf  die  Auswirkung eines niedrigen Sauerstoffgehaltes auf die Wasserpflanzen einzugehen[1] möchte ich die Auswirkung von kritischen Sauerstoffmengen auf die Fische deutlich machen.

Biologische Grundlagen:

Zum Leben muss jedes Lebewesen seinen Stoffwechsel aufrechterhalten. Und Fische brauchen, wie alle obligat aeroben Lebewesen dazu unbedingt Sauerstoff.

Die Fische nehmen bekanntlich den Sauerstoff über die Kiemen auf, die übrigens nicht nur dem Gasaustausch dienen, sondern sie sind (im Gegensatz zu der menschlichen Lunge) das Hauptausscheidungsorgan für die überschüssigen Stickstoffverbindungen, so dass Fische die Hauptmenge an Ammonium / Ammoniak über die Kiemen ausscheiden. Außerdem sind die Kiemen wichtiges Organ für die Ionen- und Osmoregulation.


Atmen ist für Fische viel schwerer als für Landtiere!

Die Luft die wir atmen besteht zu ca. 23 Gew.% aus Sauerstoff; d.h. in 100g Luft sind 23g Sauerstoff. Im Wasser sieht das Verhältnis dramatisch schlechter aus: bei einem Gehalt von 10mg/l Sauerstoff[1] sind entsprechend in 100g Wasser[2] 0,001g, d.h. 0,001% Sauerstoff gelöst. Nun ist diese Rechnung nicht ganz korrekt, da sowohl Lungenatmer, als auch Kiemenatmer das entsprechende Medium, in dem sich der Sauerstoff befindet, nicht nach Masse aufnehmen, sondern nach Volumen. So ergibt sich eine Sauerstoffmenge von ca. 295 mg/l Luft gegenüber 10mg/l Wasser!

Unter der Annahme, dass ein 100g schwerer Fisch ca. 50mg Sauerstoff pro Stunde bei 25oC benötigt, muss er ca. 6,5 Liter Wasser (=6500ml) durch seine Kiemen Pumpen. Ein Landtier hat die gleiche Menge Sauerstoff in 166ml Liter Luft! Der Fisch muss also ca. 40 mal mehr „atmen“.


Erschwerend kommt für die Atmung der Fische hinzu, dass Wasser wesentlich viskoser (dicker, zäher und schwerer) ist als Luft. Der Fisch muss also nicht nur mehr atmen, sondern auch für die gleiche Menge Wasser wesentlich mehr Energie aufwenden, wie ein Landtier für die gleiche Menge Luft.

Kiemen sind allerdings auch eine deutlich effizientere Konstruktion als Lungen. Der Wirkungsgrad der Sauerstoffaufnahme liegt bei Fischen bei deutlich über 90%, während die menschliche Lunge gerade mal knapp 24% es Sauerstoffs aus der eingeatmeten Luft holt. 

Wer sich übrigens fragt, was bei der Evolution aus den Kiemen geworden ist - das sind die Ohren geworden und die Lunge ist aus der Schwimmblase entstanden.

Sauerstoff und Stoffwechsel - eng miteinander verknüpft


Man kann den Sauerstoffverbrauch eines Lebewesens als Maßstab für die Stärke seiner Stoffwechselaktivität benutzen. 

Dann kommt man z.B zu dem Ergebnis, dass ein Fisch im Ruhezustand knapp 30% des aufgenommenen Sauerstoffes alleine für die Atmung benötigt. 

Natürlich ist die Atmung nicht nur von der körperlichen Aktivität abhängig. 

Man würde erwarten, dass die Atmung zunimmt, wenn der Sauerstoffgehalt abnimmt. Das ist aber nur teilweise der Fall. Zuerst einmal werden 2 Bereiche des Sauerstoffgehaltes im Wasser definiert:

1.  Bereich der Atmungsunabhängigkeit
Oberhalb einer best. Sauerstoffkonzentration „kritische Konzentration“ (abhängig von Temperatur, Aktivität und Fischart) ist der Sauerstoffverbrauch des Fisches unabhängig von dem umgebenden Sauerstoffgehalt.

2. Bereich der Atmungsabhängigkeit
Unterhalb der kritischen Konzentration nimmt der Sauerstoffverbrauch des Fisches mit sinkendem Sauerstoffgehalt ab. Diese Abnahme beruht auf einer, durch die Sauerstoffknappheit, reduzierten Aktivität. 

Bei geringem Sauerstoffangebot wird NICHT die Atmung erhöht, sondern der Fischkörper reagiert,indem bestimmrte Stoffwechselleistungen "heruntergefahren" werden.


Im unteren Bereich der Atmungsabhängigkeit setzt der sog. Resistenzbereich ein Erst hier  versucht der Fisch durch Erhöhung der Atemaktivität „Notatmung“ (Atemfrequenz + Ventilationsaplitude werden erhöht) das mangelnde Sauerstoffangebot auszugleichen. Die Symptome sind typisch: die Fische hängen unter der Wasseroberfläche und schnappen nach Luft. Besonders problematisch ist hierbei, das die erhöhte Atemtätigkeit wiederum viel körperliche Aktivität ist, die wiederum den Stoffwechsel und damit den Sauerstoffbedarf nach oben treibt. So eskaliert das Problem bis der Fisch erstickt ist.

Wird so etwas beobachtet muss schnellstens die Ursache für die Atemnot herausgefunden werden (siehe unten) als Sofortmaßnahme ist das Aquarium am besten mit einer Membranpumpe und einem Sprudelstein zu belüften, falls keine entsprechende Pumpe zur Hand ist sollte der Filterauströmer so gelegt werden, daß die Wasseroberfläche stark aufgewirbelt wird. Auch ein kleiner Teilwasserwchsel, ca. 10% bis 30%, kann sehr vorteilhaft sein, dabei sollte man das kalte Wasser in das Aquarium plätschern lassen. 
Außerdem sollte  bei Sauerstoffmangelsymtomen keinesfalls gefüttert werden.
Hält so ein Sauerstoffmangel länger als ein paar Stunden oder sogar mehrere Tage an, sind große Verluste nahezu unausweichlich.


Sinkt der Sauerstoffgehalt noch weiter, setzt der direkte Erstickungstod ein. Es muss noch erwähnt werden, dass die Sterblichkeitsgrenze auch sehr stark individuell abhängig ist, so reagieren Fischindividuen, die in sauerstoffreichen Wasser leben empfindlicher auf niedrige Sauerstoffkonzentrationen, als Fische die in Wasser mit geringem Sauerstoffgehalt leben. Hier liegt eine echte Anpassung vor – die Tiere sind quasi „im Training“ (Höherer Hämoglobingehalt im Blut, Kiemen besonders effektiv). Vergleichbar mit Menschen, die dauerhaft in 5 Tausend Metern Höhe wohnen.


Sauerstoffmangel ist ein riesiger Stressfaktor!


Es ist bereits ein  Risiko, wenn auch kein direkt tödliches, Fische zeitweise im oberen Bereich der Atmungsabhängigkeit zu pflegen. 
Man kann sich das so vorstellen, dass durch den reduzierten Stoffwechsel bestimmte Stoffwechselleistungen nicht mehr oder nicht mehr vollständig ausgeführt werden können. 
So ist zu erwarten, dass der Laichansatz reduziert wird, das Immunsystem nicht vollständig arbeitet und die Schwimmfreudigkeit nachlässt; die Fische werden träge. Ebenso kann es zu Wachstumsrückgang und schlechter Futterverwertung führen. Selbst Organschäden und ein allgemeiner körperlicher Verfall ist möglich.

Es ist ziemlich sicher, dass sich viele chronische Probleme auf einen chronisch knappen Sauerstoffgehalt zurückführen lassen.


Um also Schaden von unseren Pfleglingen abzuwenden brauchen wir unbedingt eine Sicherheitsreserve - damit aus all den kleinen Katastrophen, die im  Aquarium passieren können, keine große Katastrophe wird.
Damit ist gemeint, dass ein bedeutend höherer Sauerstoffgehalt als der Mindestbedarf der Fische gewährleistet sein muss, damit das Minibiotop Aquarium, sollte der Sauerstoffgehalt absinken, weiterhin ausreichende Bedingungen für die Fische gewährleistet.

Was hat negativen Einfluss auf den Sauerstoffgehalt?


Um deutlich zu machen was alles Einfluss auf den Sauerstoffgehalt im Aquarium hat, bzw. was den Sauerstoffbedarf der Fische erhöht hier nun eine Aufzählung:

1.    die Zehrung wird verstärkte durch:
  •   zu viel Futter
  • · abgestorbene Pflanzen (z.B. Cryprtofäule)
  • · einen gestorbenen größeren Fisch, der unbemerkt hinter der Dekoration verwest
  • · eine gestiegene Temperatur
  • · zusätzlich eingesetzte Fische
  • · Gut eingefahrene Biofilter (Bakterien und Mikroorganismen sind die größten Sauerstoffzehrer. Desto besser ein Filter mit Mikroorganismen besiedelt ist, um so mehr Sauerstoff verbraucht er auch.)
  • ·  aufgewirbelten Schlamm und Mulm
  • ·  überalterte Torffilter
  • · Medikamenteneinsatz (Viele Medikamente töten nicht nur Parasiten, sondern auch eine ganze Reihe unschädlicher Mikroorganismen, die sich im Bodengrund und im Filter angesiedelt haben. Bei der Zersetzung wird dann wesentlich mehr Sauerstoff verbraucht, als diese Mikroorganismen lebend benötigt hätten. Außerdem verbrauchen viele Medikamentenwirkstoffe bei ihrer Zersetzung Sauerstoff)

2.    die Sauerstoffproduktion der Wasserpflanzen wird geringer, wenn

  •      der CO2 Gehalt im Wasser sinkt
  •      ein Teil der Beleuchtung ausgefallen ist
  •     ein oder mehrere Spurenelemente nicht mehr ausreichend vorhanden sind (z.B. Eisen, Molybdän, Kalium, Mangan usw.)
  •      Pflanzen aufgefressen wurden
  •    durch eine Kahmhaut oder eine Trübung (z.B. Pantoffeltierchen) die Lichtmenge reduziert wird
  •     die Pflanzen durch andere Umstände geschädigt werden (Medikamente, Algenvertilger, Kupfer aus neuen Kupferleitungen)
  •      Pflanzen entfernt wurden.

3.    der Sauerstoffeintrag durch die Wasseroberfläche kann reduziert sein weil
  •      die Pumpe ausgefallen ist
  •    die Pumpleistung nachgelassen hat, z.B. wenn Filter oder Schläuche verstopft sind.
  •      sich eine Kahmhaut gebildet hat
  •     durch eine zu stark laufende oder defekte CO2 Anlage die Luftschicht über dem Aquarium überwiegend aus Kohlendioxid besteht.

4.    Der Sauerstoffbedarf der Fische steigt, wenn
  •     weitere Fische eingesetzt werden
  •     die Temperatur gestiegen ist
  •   Kiemenparasieten vorhanden sind (z.B. Kiemenwürmer, aber auch Hauttrüber, Ichtyo, Oodonium, diverse Bakterien usw.)
  •      sehr hohe CO2 Konzentrationen (über 40mg/l) vorliegen
  •      die Tiere gestresst werden (Lärm, flackerndes Licht)
  •      reichlich gefressen wurde (z.B. bei Lebendfuttergabe)
  •      Stress, z.B. durch Balz, Kämpfe oder Ablaichen

5.    Außerdem kann Sauerstoffmangel weitere Folgen haben:
  •    Fast ungiftiges Nitrat kann (z.B. im Filter) bei Sauerstoffmangel zum hochgiftigen Nitrit oder Ammoniak reduziert werden.
  •     Bei Sauerstoffmangel im Bodengrund kann es zu Fäulnis kommen - hierbei entstehen nicht „nur“ giftige Faulgase sondern auch giftiges Ammoniak/Ammonium und Nitrit. Für gründelnde Welse häufig eine tödliche Falle. Außerdem wird hierbei Phosphat freigesetzt, was wiederum Algen fördert.


Was an dieser Liste auffallen sollte ist, dass  sich verschiedene Faktoren gegenseitig hochschaukeln können. So kann, getreu dem Motte kleine Ursache große Wirkung, bereits bei einem kleinen ungeschickten Eingriff in das Aquarium bei fehlender Sicherheitsreserve eine große Katastrophe ausgelöst werden.

Die Temperatur beeinflusst die Sauerstoffzehrung stärker als die Löslichkeit!

An dieser Stelle sei noch auf einen, in der aquaristischen Literatur, oft zu lesenden Irrtum hingewiesen:
Ein bei gestiegenen Temperaturen auftretender Sauerstoffmangel ist nur sehr selten nur auf die geringere Löslichkeit des Sauerstoffs zurückzuführen, sondern vielmehr auf die wesentlich stärker werdende Sauerstoffzehrung. So kann man bei einem Temperaturanstieg von ca. 6-8°C davon ausgehen, dass sich der Sauerstoffverbrauch der Fische, Mikroorganismen und Bakterien (und der Wasserpflanzen bei Nacht) verdoppelt - gleichzeitig bleibt die Sauerstoffprodution der Wasserpflanzen nahezu konstant - da sich ja das Lichtangebot und alle anderen Randbedingen nicht ändern. Dagegen ist die Abnahme der Sauerstofflöslichkeit mit steigender Temperatur eher unspektakulär: bei 25°C lösen sich 8,24 mg/l O2, bei 30°C noch 7,54mg/l O2, und bei 35°C immer noch 6,93mg/l O2. Allerdings sind die erhöhte Sauerstoffzehrung und geringere Sauerstofflöslichkeit ein echtes Katastrophen Duo, das man keinesfalls unterschätzen sollte.

Wie viel Sauerstoff sollte im Aquarium sein?

Die kritische Grenze für den Sauerstoffgehalt ist von Fischart zu Fischart sehr unterschiedlich, Regenbogenfische beispielsweise brauchen sehr hohe Sauerstoffkonzentrationen, während Corydorasarten und alle Labyrinther mit sehr wenig Sauerstoff (im Wasser) auskommen. Allgemein kann man jedoch Sauerstoffkonzentrationen von ca. 3-4 mg/l als absolut unterste Grenze betrachten. Meiner Meinung nach sollte der Sauerstoffgehalt stets nahe der Sättigung liegen, mindestens bei ca. 6 mg/l.

Wie bekommt man Sauerstoff ins Aquarium?

Generell sollte die Wasseroberfläche, um einen guten Gasaustausch zu gewährleisten, kräftig bewegt sein.
Ist dies  nicht ausreichend so ist die gute alte Membranpumpe mit Sprudelstein die beste Methode. Hierbei wird mit der Luft auch reichlich Sauerstoff eingetragen (leider auch Kohlendioxid ausgetrieben). Genauso wirkungsvoll, aber weniger gut sind Diffusoren, sie reduzieren die Filterleistung und produzieren feine Blasen, die sich an Schleimhaut und Kiemen der Fische festsetzen. 

Generell kann empfohlen werden, des nachts mit einem Sprudelstein zu belüften.
Hierbei ist auch der Austrieb von CO2 nicht so bedeutend.

Nicht zu empfehlende Methoden:


Absolut unsinnig und überflüssig sind Sauerstofftabletten, sie enthalten meist ätzende Substanzen und bringen praktisch nichts.


Den Einsatz von sog. Oxidatoren halte ich für nicht sinnvoll: Die in diesen Geräten verwendete Chemikalie, Wasserstoffperoxid in 3, 6, oder 30%, ist ein ätzendes Bleich- und Desinfektionsmittel und kann, bei falscher Anwendung oder einem Defekt am Oxidator, innerhalb von kurzer Zeit den gesamten Fischbestand vernichten.

Die Sauerstoffproduktion ist dagegen minimal:
1l  einer 6%igen Wasserstoffperoxidlösung liefert gerade mal 28g Sauerstoff. Legt man zugrunde, dass man mit einem Liter, bei einem 200l Aquarium 16 Wochen auskommt (Herstellerangabe) macht das 250 mg Sauerstoff pro Tag - entspricht bei dem 200l Aquarium (180l Wasserinhalt) 1,4 mg/l pro Tag entsprechend 0,06mg/l pro Stunde. 

Die normale Wasserumwälzung oder ein Sprudelstein liefert ohne weiteres ein vielfaches. Eine mittelstarke Luftpumpe leistet ca. 1200-2400l Luft pro Tag (50-100 Liter pro Stunde). Hierin sind 354g - 708g Sauerstoff enthalten. Rechnet man mit 400g pro Tag kommt man auf einen theoretischen Sauerstoffeintrag von 16667mg pro Stunde. Auf unsere 180 Liter Wasser bezogen bedeutet dies 92,6mg/l pro Stunde. 
Zur Erinnerung: der Oxidator kommt auf 0,06mg/l pro Stunde.

Das Wasser kann natürlich nicht den gesamten Sauerstoff aufnehmen, den eine Membranpumpe liefert, es wird aber ein Gleichgewicht (Sauerstoffzehrung = Sauerstoffaufnahme) nahe bei der Sauerstoff - Sättigungskonzentration erreicht.

Ich möchte aber auch nicht verschweigen, dass der Sauerstoff aus einem Oxydator eine etwas andere Qualität hat. Der Sauerstoff wird ja in einem Oxydator erst gemacht, d.h. er entsteht aus H2O2 (Wasserstoffperoxyd). Dabei entstehen kurzfristig Sauerstoffradikale. Diese reagieren auch mit Verbindungen, die sonst nicht von molekularem O2 Sauerstoff angegriffen werden können. Viele Aquarianer berichten deshalb von besonders klarem Wasser und weniger Algen im Aquarium.

Sauerstoffmangelsymptome ohne Sauerstoffmangel?

Sauerstoffmangelerscheinungen (Fische hängen an der Oberfläche, schnappen nach Luft) sind erfahrungsgemäß oft nicht mit einem wirklichen Sauerstoffmangel verbunden. Diese Symptome treten auch bei Kiemenschäden, z.B. durch parasitäre oder bakterielle Infektion (z.B. Chilodonella, Kiemenfäule, Kiemenwürmer) auf.
Ebenso kommt es zu diesen Symptomen bei einer Vergiftung durch die Kiemen bzw. die Atmung schädigenden Medikamente (z.B. Kupferhaltige Medikamente aber auch bei jeder Überdosierung ansonsten harmloser Medikamente) sowie bei Kiemenverätzungen, z.B. Ammoniakvergiftung, pH zu sauer oder zu alkalisch, unsachgemäßer Einsatz eines Oxydators, direkter Einsatz von Wasserstoffperoxid oder unvorsichtiger Einsatz von sog. Sauerstofftabletten. Auch eine Nitritvergiftung hat diese Symptome zur Folge.

Bei Sauerstoffmangelsymptomen muss deshalb auch der Sauerstoffgehalt gemessen werden, damit die kurativen Maßnahmen auch wirken.
Das Testen des Sauerstoffgehaltes muss sehr gewissenhaft durchgeführt werden, vor allem ohne das Wasser zu transportieren, denn beispielsweise ein Umfüllen des Wassers verändert den Sauerstoffgehalt bereits ganz erheblich.

Mein Fazit

Einen niedrigen Sauerstoffgehalt im Aquarium anzustreben ist der falsche Weg. Denn schließlich pflegen wir im Aquarien Wirbeltiere - für diese Tiere haben wir eine Verantwortung - und es gibt keine Rechtfertigung das Leben dieser Tiere zu gefährden. Und nichts anderes stellt eine absichtliche Begrenzung des Sauerstoffgehaltes auf niedrigem Niveau im Aquarium dar.
Man kann den u.U. niedrigen Sauerstoffgehalt in natürlichen Biotopen nicht auf das Aquarium übertragen, denn viel zu gewaltig ist der Unterschied der Wassermenge. Aber auch in der Natur gehen Fische an Sauerstoffmangel zugrunde und das passiert gar nicht so selten, nur ist dort niemand direkt verantwortlich zu machen (es sei denn durch Abwassereinleitung). Passiert dies jedoch im Aquarium macht sich der Pflege der Tierquälerei schuldig.






[1] Wer sich über den vermeintlichen Vorteil von geringen Sauerstoffmengen auf Wasserpflanzen schlau machen möchte, dem empfehle ich den Artikel von Dr. Kassebeer in Aquarium heute 4/97.
[2] O2 Sättigung bei 15oC, bei 25oC beträgt die Sättigung noch 7,5 mg/l.
[3] In diesem Sinne ist mit Wasser nicht streng H2O gemeint, sondern die wässrige Lösung.

07.03.20

Wieviele Kiesel sind im Aquarium? Und wie groß ist die Oberfläche der Kiesel?

Man kann die Größenordnung annähernd abschätzen, wie viele Kieselsteine in einem Aquarium sind, wenn man von einem Kieselstein als Kugel ausgeht.

Von praktischer Bedeutung ist die Oberfläche sämtlicher Kiesel zusammen, da an dieser Oberfläche eine Vielzahl wichtiger, biologischer Prozesse stattfinden.

Ich gehe von einem Aquarium mit 100*40cm Grundfläche und einer 5cm Kiesschicht aus. Das entspricht 20 Liter (erfahrungsgemäß ca. 25kg) 

1.) 1mm Kiesel

ein Kiesel hat ein Volumen von 0,000000523599 Liter

Daraus ergibt sich, dass rund 30,5 Millionen Kiesel im Bodengrund sind. 

Diese Kiesel haben wiederum eine Oberfläche von rund 96qm


2.) 2mm Kiesel

ein Kiesel hat ein Volumen von 0,00000418879 Liter

Daraus ergibt sich, dass rund 4 Millionen Kiesel im Bodengrund sind. 

Diese Kiesel haben wiederum eine Oberfläche von rund 50qm 

3.) 6mm Kiesel

ein Kiesel hat ein Volumen von 0,00113097 Liter

Daraus ergibt sich, dass rund 180.000 Kiesel im Bodengrund sind. 

Diese Kiesel haben wiederum eine Oberfläche von rund 20qm


Fazit:

Die Gesamtoberfläche nimmt also mit feiner werdenden Kieseln drastisch zu. Bei 6mm entspricht die Gesamtoberfläche der Kiesel dem 8-fachem der Aquariengrundfläche, bei 2mm dem 20-fachem und bei 1mm fast dem 40-fachem.

Die tatsächliche Öberfläche wird sogar deutlich höher sein, da natürliche Kiesel keine glatte, sondern eine gefurchte Oberfläche aufweisen. 

Auf die Bedeutung der Kiesoberfläche werde ich in einem späteren Artikel genauer einegehen.

An dieser Stelle sei nur gesagt, dass wohl nichts im Aquarium auch nur annähernd über eine so große Oberfläche verfügt wie der verwendete Kies.


Berechnung:

Dazu bedienen wir uns zuerst der dichtesten Kugelpackung, laut der 74% des Raumes durch gleichgroße Kugeln ausgefüllt werden. Oder anders ausgedrückt Bei der dichtesten Anordnung gleich großer Kugeln bleiben 26% an Zwischenraum.

Da Kiesel weder exakt rund, noch alle gleichgroß sind, werden die Zwischenräume kleiner sein. Für meine Rechnung bin ich von 20% ausgegangen. Aber auch 90% würde die Ergebnisse nicht großartig verändern.

20 Liter Volumen im Aquarium entsprechen demnach 16 Liter reinem Kiesvolumens ohne jegliche Zwischenräume.

Das Volumen eines einzelnen Kiesels, wieder unter der Annahme einer Kugel, berechnet sich aus V = 4/3 * Pi * r^3

Die Oberfläche eines einzelnen Kiesels, als Kugel ergibt sich aus A = Pi * d^2

06.03.20

Algen und wie man sie wieder los wird

Geringe Mengen an Algen sind absolut natürlich und sollten toleriert werden. Algen in größerer Menge gehören aber mit Sicherheit zu den lästigsten Erscheinungen im Süßwasseraquarium.

 Algenfreies Aquarium
Ein Aquarium ohne störende Algen ist eine Augenweise

Algen stellen keine einheitliche Organismengruppe in wissenschaftlicher Hinsicht dar. Es gibt verschiedene Gruppen, die sich unabhängig voneinander entwickelt haben. Die große, absolut unüberschaubare Anzahl an Arten, die im Allgemeinen recht nahe Verwandtschaft zu den Pflanzen, die auch in der Wissenschaft noch herrschende Unkenntnis über die Lebenszyklen der verschiedenen Algen und eben die großen Unterschiede bei den einzelnen Algengruppen haben sicherlich mit dazu geführt, dass in der aquaristischen Literatur durchaus von einem Chaos in Bezug auf Algen bzw. deren Vermeidung gesprochen werden kann.

Ich möchte hier einmal kurz einige, in der Aquaristik wichtige Algengruppen vorstellen und Tipps zu ihrer Reduzierung und Vermeidung geben.

Pinselalgen und Bartalgen sind die schlimmsten Plagegeister im Aquarium.
Pinselalgen sind schwarz und ca. 0,5 bis 2cm hoch. Charakteristisch ist die gebündelte Wuchsform, die der einzelnen Alge das Aussehen eines feinen Aquarellpinsels verleiht. 
Bartalgen sind wesentlich gröber, sie erinnern mehr an einen zotteligen, ungepflegten Ziegenbart. Die einzelnen Algenfäden können eine Stärke bis ca. 1mm erreichen und 20-30cm lang werden. Die Farbe kann schwarz sein, manchmal sehen sie aber auch dunkel blaugrau bis grüngrau aus.
Sie befallen mit Vorliebe die Blattränder der Wasserpflanzen. Besonders langsamwüchsige Arten wie Anubias und Javafarn, aber auch Vallisnerien- Cryptocoryn- und Echinodoras- Arten sind gefährdet. Während sich die Bartalge meist mit den Pflanzen begnügt befällt die Pinselalge auch sämtliche Dekoration, so daß diese Alge irgendwann das gesamte Aquarium befällt. 
Beide Algen gehören zu den Rotalgen (Stamm Rhodophyta, ca. 5500 Arten, davon nur 150 im Süßwasser). Diese beiden Algenarten kamen ursprünglich aus Asien und wurden erst vor einigen Jahrzehnten in die europäischen Aquarien eingeschleppt, wo sie so prächtig gedeihen, dass sie wohl in fast jeder Fischzuchtanlage und in sämtlichen Händlerbecken, zumindest in Spuren vorhanden sind. 
Und so gelangen sie auch in jedes Heimaquarium, besonders um Einsteigern die Lust an diesem herrlichen Hobby zu vermiesen. Aber auch „alte Hasen“ werden von diesen Algen oft an den Rand des Wahnsinns getrieben und so ist in diesen Rotalgen sicherlich eine häufige Ursache für die Aufgabe der Aquaristik zu sehen.

Bartalgen Bartalgen  Pinselalgen Bartalgen Pinselalgen
Bart und Pinselalgen sind hässlich. Typisch ist der Befall von Blatträndern und Dekoration wie 3-D Rückwänden

Die zweitschlimmste Plage sind Blaualgen (Stamm Cyanobacteria, insgesamt ca. 2000 Arten), sie überziehen Bodengrund, Dekoration und Pflanzen in kurzer Zeit mit einem schleimig, übelriechenden, türkisgrünen Belag. 
Blaualgen sind keine niederen Pflanzen wie andere Algen, sie gehören eigentlich zu den Bakterien (da sie keine Membran um den Zellkern besitzen). 
Blaualgen waren vor fast 3 Millarden Jahren die ersten und erfolgreichsten, Photosynthese - betreibenden Organismen. Sie waren es, die den Sauerstoff in die Erdatmosphäre brachten und so erst höheres Leben ermöglichten. Fast 2 Milliarden Jahre, bis vor ca. 500 Millionen Jahren prägten sie das Gesicht der Erde. Trotz allem sind wir ihnen nicht zu Dankbarkeit verpflichtet und sollten sie aus unseren Aquarien heraushalten.
Blaualgen sind noch heute weit verbreitete und an extremste Bedingungen angepasst. Sie existieren in heißen Quellen (80oC) ebenso wie im ewigen Eis der Antarktis.

Nicht ganz so oft werden grüne Fadenalgen oder Punktalgen (Grünalgen = Stamm Chlorophyta mit insgesamt ca. 10000 Arten) zur Plage. 
Die Punktalgen wachsen meist sehr langsam und treten nur an extrem langsamwüchsigen Blättern und selten gereinigten Scheiben auf. 
Die Fadenalgen hingegen können sich sehr stark vermehren und so durchaus zur Plage werden. Tröstlich ist etwas, dass sie sich meist vergleichsweise problemlos beseitigen lässt, da sie von den meisten Algenvertilgern gerne verspeist wird. Eine andere Art der Entfernung ist ein Aufrollen an einer Flaschenbürste. Das Auftreten von grünen Fadenalgen deutet in der Regel auf relativ gute Wasserbedingungen hin.
Hornalgen  Fadenalgen
Im Vordergrund gr. Fadenalgen im Hintergrund die Hornalge

Braune Kieselalgen (Stamm Diatomeen, insgesamt ca. 100000 Arten) treten meist nur in der Anfangsphase eines Aquariums auf. 
Die Bezeichnung Braunalge ist zwar nicht korrekt, aber so wird diese Alge am besten beschrieben. Sie ist auf Silikat im Wasser angewiesen, hat sie alles Silikat verbraucht, geht sie zugrunde. Kieselalgen sind für alle mir bekannten Algenfresser ein ausgesprochener Leckerbissen. Selbst Aquarien die komplett mit Kieselalgen bewachsen sind werden quasi über Nacht von eingesetzten Algenfressern (z.B. Otocinclus, Nadelwelse oder Antennenwels) blitzblank geputzt.

Kieselalgen  Otocinclus  Sturisoma  Ancistrus
Kieselalgen - hier in der Einfahrphase eines Seewasseraquariums - werden von Algenfressern wie z.B. Otocinclus, Sturisoma und dem Antennenwels gerne gefressen

Da Algen Pflanzen primitiver Bauart (niedere Pflanzen „Thallophyten“) sind[1] und einige Strukturelemente nahezu identisch mit denen höherer Pflanzen sind, gestaltet sich die Bekämpfung von Algen im Aquarium oft so schwer, denn alles was den Algen direkt schadet, schadet auch den Wasserpflanzen.
Viele Algen sind außerdem extrem hartnäckig und ihre Beseitigung stellt den Aquarianer nicht selten vor ein nahezu unlösbares Problem. Als letzter Ausweg erscheint oft nur noch eine komplette Neueinrichtung. Damit es nicht soweit kommt, wurde dieser Fahrplan erarbeitet. Mit ihm lassen sich nahezu alle Algenarten zumindest deutlich reduzieren. Bei der enormen Zahl an Algenarten und der Unmöglichkeit, die einzelne Art zu bestimmen, kann jeder Ratschlag zu Algenreduktion nur allgemeiner Art sein.


Wichtig:
kein chem. Algenvertilger kann dauerhaft etwas bringen wenn nicht die Ursachen für den Algenwuchs erkannt und beseitigt werden. Der Einsatz eines guten (d.h. vor allem kupferfreiem) Algenmittels macht nur als „Notbremse“ Sinn. Ein häufiger oder gar ständiger Einsatz ist mit Sicherheit nicht nur für die Pflanzen schädlich – auf Dauer werden durch Algizide auch Fische geschwächt.


Die Bekämpfung von Algen muß, wenn sie denn dauerhaft erfolgreich sein soll, auf drei Säulen basieren:
 -Die drei Säulen erfolgreicher Algenenbekämpfung-

  1. Die Makronährstoffe Stickstoff und Phosphor (gemessen als Phosphat und Nitrat) müssen in einem vernünftigen Bereich eingestellt werden, da jegliche Überdüngung  den Algenwuchs fördert. Andererseits verhindert eine zu geringe Mengen dieser Makronährstoffe einen vernünftigen Pflanzenwuchs. Manche Algen wiederum kommen mit wenig Nährstoffen erschreckend gut zurecht.
  2. Der Wuchs der Aquarienpflanzen muss erhöht werden, damit sie den Algen die gemeinsam benötigten Ressourcen (z.B. Spurenelemente, Licht, Lebensraum) streitig machen können.
  3. Der, unvermeidbare, Neuwuchs muss durch geeignete Algenfresser stetig reduziert werden. "Geeignet" habe ich unterstrichen, denn auch bei Algenfressern heiligt nicht der Zweck die Mittel. Die Tiere müssen selbstverständlich in das Aquarium passen.
 Diagnose:
1)Wasserqualität:
Als erstes sollte die Wasserqualität überprüft werden. Hierbei ist im Bezug auf Algen besonders wichtig:
Wasserbelastung: Der Phosphat und Nitratgehalt ist sehr oft Auslöser für eine Algenplage. Ist der Nitrat und Phosphatgehalt zu hoch (PO4 > 1mg/l, NO3 > 20mg/l, so können Algen nahezu ungehindert wachsen. Noch schlimmer ist wenn einer der Werte ausreisst. Optimal für Pflanzenwuchs ist ein Verhältnis Nitrat (NO3) : Phosphat PO4)  von 15 : 1 (Redfield Verhältnis)
Hierbei sollte NO3 zwischen 5-20mg/l und PO4 zwischen 0,1 bis 1mg/l liegen.
Grün: optimal
rot: schlechte Bedingungen, viel zu Hohe Nitrat und Phosphatwerte
grau: zu niedrige Werte von Nitrat und Phosphat für einen guten Pflanzenwuchs
gelb: hohe Nitrat und Phosphatwerte, grenzwertig

Nitrat (NO3) : Phosphat PO4)  Verhältnis (in Klammern) und Zugaben Aqua-Liquids
pur Elements pro 100 Liter Wasser um  ein optimales Verhältnis  von 15:1 (15) innerhalb von 0,1 bis 1mg/l Phosphat und 5-20mg/l Nitrat zu erreichen. 

Sind die Werte zu hoch, dann liegt die Ursache  in einer zu starker Fütterung und/oder in zu seltenem oder falschem (ohne Mulmglocke) Teil - Wasserwechsel. Das kann auch die logische Folge eines Überbesatzes sein. Um kurzfristig den Nitrat- und Phosphatgehalt zu reduzieren empfehlen wir PhosEx und NitratEx.

Kohlendioxid (CO2, Kohlensäure): Ein zu niedriger Kohlendioxidgehalt ist oft die Ursache für schlechten Pflanzenwuchs im Aquarium - schließlich ist es der Hauptnährstoff der Pflanzen. Sehr zu empfehlen sind CO2 Dauertests, die permanent darüber Auskunft geben, ob der Kohlendioxidgehalt ausreichend ist. Denn nur wenn genügend Kohlendioxid verfügbar ist, können die Pflanzen den Algen die Nährstoffe wirkungsvoll streitig machen.

Eisen ist ein wichtiges Spurenelement für Wasserpflanzen. Es sollten ca. 0,1 bis 0,2 mg/l nachweisbar sein. Hier gilt das gleiche wie bei Kohlendioxid; nur wenn Eisen verfügbar ist können die höheren Pflanzen wachsen und weitere Nährstoffe aufnehmen. Außerdem kann Eisen sogar mithelfen den Phosphatgehalt zu reduzieren.
2)Licht:
       Durch die LED Technik gibt es mittlerweile Möglichkeiten, von denen wir 2010 noch nicht mal geträumt haben. Die Möglichkeiten sind so vielfältig, dass es hier den Rahmen sprengen würde. Erfahrungsgemäß hat sich eine Farbtemperatur zwischen 4000 und 6000 Kelvin bewährt.  
An dieser Stelle sei noch einmal ausdrücklich auf den Unterschied zwischen Beleuchtungsstärke und Beleuchtungsdauer hingewiesen: Eine zu geringe Beleuchtungsstärke ist häufig (mit)verantwortlich für schlechten Pflanzenwuchs. Eine zu geringe Beleuchtungsstärke läßt sich keinesfalls durch eine längere Beleuchtungsdauer kompensieren! Die Pflanzen kümmern i.d.R. weiter, dafür explodieren die Algen. Umgekehrt lassen sich Algen bekämpfen: durch eine stärkere Beleuchtung wachsen die Pflanzen besser und entziehen so den Algen wichtige Ressourcen. 
Die Beleuchtungsdauer sollte 10 - 12 Stunden nicht überschreiten. Eine Mittagspause bietet keinen Vorteil, ist aber eine pragmatische Lösung, wenn man morgens und abends in das Aquarium schauen möchte und wesentlich besser als eine zu lange Beleuchtungsdauer.

3)Bepflanzung:
Wenige und langsamwüchsige Pflanzen sind keine wirkungsvolle Nährstoff - Konkurrenz für Algen. Vor allem Hornkraut (Ceratophyllum demersum), aber auch Pflanzen wie Indischer Wasserwedel, Indischer Wasserfreund, Rote Rotala und Wasserpest sind eine wirkungsvolle Waffe gegen Algen.

4)Stabile mikrobiologische Verhältnisse:
Erfahrungsgemäß tritt in Aquarien die über eine unzureichende Filterung verfügen wesentlich häufiger starkes Algenwachstum auf (besonders augenscheinlich bei Blaualgen) als in Aquarien mit einem groß dimensionierten Filter. Es ist immer wieder auffällig, das in Aquarien mit zu kleinen Filtern, in denen sich keine stabile Mikrobiologie entwickeln können, wesentlich anfälliger sind (nicht „nur“ für Algen) als Aquarien mit sehr großen Filtern.
Aber auch eine zu häufige und zu gründliche Filterreinigung kommt als Mitursache in Frage.

5)Ausreichend geeignete Algenfresser:
Auch Algenfresser sind von Haus aus faul – ist reichlich anderes Futter vorhanden werden niemals mühevoll die Algen abgeraspelt. Tiere, die sich im Wachstum befinden fressen wesentlich mehr als ausgewachsene Tiere. So sind z.B. alte, große Antennenwelse ganz miserable Algenfresser, ebenso ausgewachsene siam. Rüsselbarben. Die gleichen Arten als Jungtiere sind hingegen exzellente Algenfresser. Bevor man Algenfresser kauft, sollte man sich informieren, ob diese Tiere auch dauerhaft in dem Aquarium zu halten sind.


11 Punkte - Plan zum algenfreien Aquarium:

1)Mechanische Entfernung möglichst vieler Algen. (Nur bei extremen Befall chem. Algenvertilger einsetzen. Falls chem. Algenvertilger eingesetzt werden müssen, sollte unbedingt darauf geachtet werden, daß das verwendete Produkt kein oder nur geringste Mengen Kupfer enthält (Gefahr für Garnelen, Fische, Schnecken und Pflanzen!!)

2)Kurzzeitige Zugabe von Aqua-Liquids Humin 10% und/oder Torfgranulat reduziert das Licht und den pH Wert, so dass einige Algen reduziert werden. Leider werden hierbei auch manchmal die Pflanzen in Mitleidenschaft gezogen. Für Ostafrika – Biotopaquarien (Malawi bzw. Tanganjikasee) kommt eine derartige Behandlung auf keinem Fall in Frage.             

3)Dauerhafte Beseitigung einer eventuell vorhandenen Wasserbelastung.
Weniger Futter (einen Fastentag pro Woche). Granulatfutter wird von den meisten Fischen besser aufgenommen als Flockenfutter.

Granulatfutter Granulatfutter
Granulatfutter belastet aufgrund seiner längeren Haltbarkeit im Wasser deutlich weniger als Flockenfutter.
Hier Aqua-Liquids Classic Granulat

Häufiger (2-3 mal pro Woche) Teil - Wasserwechsel (15-30%) mit einer Mulmglocke.
Unter Umständen muss der Fischbesatz reduziert werden.
Um die Algen zu schädigen muss der Nitratgehalt (NO3) unter 20mg/l und der Phosphatgehalt (PO4) unter 1mg/l gebracht werden. Hierzu gibt es spez. Filtermaterialien im Zoofachhandel. Besonders erfolgversprechend ist es, wenn das Verhältnis Phosphat : Nitrat 1:15 übersteigt, Phosphat zu senken. Allerdings will ich nicht verschweigen, dass viele Algen ein vielfaches ihres momentanen Bedarf an Phosphaten speichern können. Dadurch kann es passieren, dass eine Senkung des Phosphatgehaltes kurzfristig bis mittelfristig nicht zum Erfolg führt. Nur sehr langfristig (einige Monate) kann sich dann ein Erfolg einstellen.
In Gebieten, wo die Nitratbelastung des Trinkwassers an den Grenzwert von 50mg/l heranreicht, ist das Leitungswasser nicht mehr für Aquarien brauchbar. Hier bietet sich eine Aufbereitung mittels Umkehrosmose und anschließender Aufsalzung an.

4)Einsatz von mehr Algenfressern.

5)Erhöhung des Kohlendioxidgehaltes. Bei einer Karbonathärte von z.B. 4 oDKH hat sich ein, durch Kohlendioxid eingestellter, pH - Wert von 7,1 (entspricht ca. 20mg/l CO2), bestens bewährt.

6)Beleuchtung: Becken gegen Tageslicht schützen. Auf eine gute Beleuchtung achten. Beleuchtungsdauer auf 8 Stunden reduzieren. Sind die Algen weniger geworden kann die Beleuchtung langsam auf 10 - 12  Stunden erhöht werden.

7)Einsatz vieler schnellwüchsiger Pflanzen (insbesondere Hornkraut).

8)Kontrollierte Zugabe von Aqua-Liquids Eisen- und Spurenelementedünger, unter Beachtung des Eisengehaltes (Sollwert ca. 0,1-0,2mg/l) oder Aqua-Liquids Volldünger bei Nitrat und Phosphatmangel. Einstellung  des Nitrat- Phosphatverhältnisses nach Redfield.

9)Für ausreichend (min. 2* Beckeninhalt pro Stunde) Strömung sorgen.

10)Kritische Überprüfung des Filters:
Hat er genügend Volumen?
Beträgt die Filterstandzeit min. 3 Monate?
Wird bei einer Reinigung genügend Filterschlamm zurückbehalten?
Sind die Filtermaterialien für den verwendeten Filtertyp optimal?

11)Regelmäßige Kontrolle aller Algen - relevanten Wasserwerte.     

Da Blaualgen und Algenblüten allein mit obigen Maßnahmen kaum ausreichend beizukommen sind, habe ich noch ein paar zusätzliche Maßnahmen zur Eliminierung auch dieser Algengruppen ausgearbeitet.
Extrateil Blaualgen:
Blaualgen sind wie oben bereits erwähnt keine „echten“ Pflanzen sondern eher Bakterien. und so deutet ihr Auftreten auch auf ein schweres Ungleichgewicht in den Bakterienkulturen hin. So werden besonders Becken mit zu kleinen oder zu oft gereinigten Filtern befallen, vor allem bei gleichzeitig hoher organischer Belastung. Aber auch verdichteter Bodengrund, Fäulnis im Boden und Futterreste fördern diese unangenehme und teilweise sogar leicht toxische Algenart.
Aber auch optimal gepflegte Aquarien können, wenn auch selten, von ihnen heimgesucht werden.
Blaualgen werden von keinem Algenfresser vertilgt und sie können so schnell wachsen, dass innerhalb weniger Tage ein ganzes Aquarium komplett von ihnen  in beschlag genommen wurde.

Was ist also zu tun?
¨So gut es geht die Alge bereits im Anfangsstadium absaugen
¨Wenn möglich Teil - Wasserwechsel mit Wasser aus Blaualgen – freien Becken.
¨In hartnäckigen Fällen 3-4 Tage das Aquarium komplett abdunkeln, d.h. nicht nur Licht aus, sondern jeden Lichteinfall z.B. mit einer Wolldecke unterbinden. Dabei auf eine ausreichende Sauerstoffversorgung der Fische achten, z.B. durch eine Membranpumpe. Eine evtl. vorhandene CO2 Anlage in dieser Zeit bitte ausstellen.
¨Den Filter nicht reinigen
¨Darauf achten, dass keine Futterreste auf dem Bodengrund liegen bleiben.
¨Ein ausreichendes Filtervolumen ist unglaublich wichtig, als absolutes Minimum betrachte ich 2% vom Beckenvolumen.
¨Eine starke Wasserbewegung haben die Blaualgen gar nicht gerne.
¨Manchmal hilft es den pH Wert mittels CO2 auf unter 7 einzustellen.
¨ Achtung: diese Alge kann Gifte enthalten, die bei einem Absterben freigesetzt werden können. Deshalb immer vor dem Abdunkeln des Aquariums (oder vor dem Einsatz eines Algenvertilgers) die Algen so weit wie möglich mechanisch entfernen!!

Extrateil Wasserblüte:
Grünes Wasser bereitet wesentlich öfter Gartenteichbesitzern als Aquarianern Kopfzerbrechen, aber auch im Aquarium tritt ab und zu eine grünliche Trübung auf. Diese Trübung wird meist als „Wasserblüte“ bezeichnet. Ursache sind einzellige, nicht im Verbund lebende Grün- oder Blaualgen. Sie sind so fein, dass sie im Filter nicht hängen bleiben können, nur in sehr groß dimensionierten und bereits lange eingefahrenen Filtern wird ein Teil der Alge verdaut. Schwebealgen haben einige sehr unangenehme Eigenschaften.
Abgesehen davon, dass man nicht mehr in das Becken gucken kann, greifen Schwebealgen stark in den Wasserchemismus ein: Durch ihren immensen Kohlendioxid (CO2) Verbrauch steigt der pH Wert am Tage stark an. Dies kann im Extremfall bis zu einem pH Wert von 11 führen. Derartige pH Werte treten zwar fast immer nur bei starker Sonneneinstrahlung in Gartenteichen auf, sind dort aber für Fische absolut tödlich. In Aquarien sind pH Werte bis 9 keine Seltenheit. Hierbei tritt u.U. ein weiteres Problem auf: die Biogene Entkalkung[2].
Aber es gibt noch weitere Probleme: Der Sauerstoff, der während der Beleuchtungsperiode produziert wurde, verläßt das Wasser zum großen Teil über die Oberfläche. Nachts verbrauchen jedoch die Schwebealgen viel Sauerstoff. Das führt leicht zu absoluten Sauerstoffmangel; die Fische sterben, das Wasser stinkt. Man spricht dann davon, dass das Aquarium gekippt sei. Zugegeben, dies ist ein seltenes Horrorszenario, aber es passiert ab und zu.
Was kann man also gegen diese Wasserblüte tun?
Dieser Trübung scheint nichts etwas anhaben zu können; nach einem (Teil)Wasserwechsel, auch nach einem kräftigen, hat sie nach einigen Tagen wieder ihre ursprüngliche Intensität angenommen, meist sogar verstärkt.  Eine Reinigung der Filtermassen hat stets Fatale folgen: Die Wasserblüte  wird nur noch schlimmer. Hierbei muss man zu technischen Hilfsmittel greifen:

·Flockungsmittel fällen die Algen als weißlichen Schleim aus.
·Vorteil: Wirkt sofort, Flockungsmittel sind einfach zu dosierende Flüssigkeiten
·Nachteil: Ausgeflockte Algen müssen unbedingt entfernt werden. Flockungsmittel sind stark sauer und können bei zu wenig Karbonathärte einen Säuresturz verursachen. Wirkt nur bei pH Werten von 6,5 bis 7,8. Die Dosierung muss genau stimmen, sonst passiert nichts.

·UV Wasserklärer töten diese Algen zuverlässig ab
·Vorteil: keine Veränderung der Wasserchemie, kann problemlos vor oder hinter jeden Außenfilter montiert werden. Es gibt auch preiswerte UV Klärer, die einfach wie ein Innenfilter in das Aquarium gehängt werden.
·Nachteil: wirkt erst nach einigen Tagen, Abgestorbene Algen bleiben im Wasserkreislauf bzw. werden im Filter zersetzt und können das Wasser belasten.

·Der Diatomicfilter filtert als Ultrafeinfilter selbst diese mikroskopisch kleinen Zellen heraus.
·Vorteil: wirkt sehr schnell, die Algen werden aus dem Aquarium wirklich entfernt
·Nachteil: sehr umständliche Handhabung, nur wenige Stunden Standzeit, dann muss der Filter neu gefüllt werden. Außerdem werden diese Filter leider nicht mehr hergestellt.

Den Einsatz eines UV Wasserklärers halte ich für die beste Methode. Aber für welche Methode sie sich auch entscheiden, wichtig ist, dass man bei einer Wasserblüte etwas unternimmt und nicht wartet, bis es zu spät ist.

[1] Abgesehen von den Blaualgen, die ja zu den Bakterien gehören.
[2] Siehe hierzu vom gleichen Autor: „der Fisch in seinem Element, Teil 1: Wasserwerte“